3. Die Fortführungsfähigkeit, insbesondere die Liquidität als Teil der Analyse des Ist-Zustands

Zur Analyse des Ist-Zustands gehört neben der Frage des Kapitalverlusts resp. der Überschuldung immer auch die Frage der Liquidität. Eine Gesellschaft, die nicht mehr liquide ist, ist nicht mehr fähig sich fortzuführen mit der Folge, dass diese Gesellschaft nicht mehr zu Fortführungswerten bilanzieren darf. Gemäss Art. 958a OR muss die Fortführungsfähigkeit für einen Zeitraum von zwölf Monaten ab Bilanzstichtag beabsichtigt oder möglich sein. Die Analyse der Fortführungsfähigkeit erfordert einen Liquiditätsplan, in welchem die erwarteten Zu- und Abflüsse flüssiger Mittel einander gegenübergestellt werden. Diese Prognose muss plausibel aber nicht vorsichtig sein.

Dieser Wechsel vom Fortführungs- zum Liquidationswert kann dazu führen, dass die Gesellschaft – zu Liquidationswerten – das halbe Kapital verloren hat oder dass sie gar überschuldet ist, während sie – vor ihrer Liquiditätskrise zu Fortführungswerten – eine ausgeglichene Bilanz auswies.

Zu Fortführungswerten darf die Gesellschaft solange bilanzieren, wie die Fortführung des Betriebs als ernsthafte Möglichkeit erscheint. Befindet sich das Unternehmen trotz fehlender Überschuldung in einem Liquiditätsengpass, ist die Fortführung gefährdet, weil die Gesellschaft ihre Verbindlichkeiten nicht mehr erfüllen kann und die Gläubiger gestützt darauf den Konkurs der Gesellschaft veranlassen können. In diesem Fall ist eine Bewertung der Aktiven zu Fortführungswerten nicht mehr zulässig.

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