6. Aktiengesellschaft (Art. 620 ff. OR)

Die Aktiengesellschaft ist eine Gesellschaft mit eigener Firma, deren zum Voraus bestimmtes Kapital (Aktienkapital) in Teilsummen (Aktien) zerlegt ist und für deren Verbindlichkeiten nur das Gesellschaftsvermögen haftet (Art. 620 OR).

Die Aktiengesellschaft ist die wichtigste Gesellschaftsform in der Schweiz. Sie ist sowohl für kleinere und mittlere Unternehmen, aber auch für sehr grosse Gesellschaften geeignet. Sie ist eine juristische Person. Das hat zur Folge, dass die Gesellschaft auch im Innenverhältnis gegenüber den Mitgliedern juristische Person ist. Der Aktionär ist nur mit der Aktiengesellschaft rechtlich verbunden, nicht aber mit den anderen Aktionären.

Die Aktiengesellschaft ist eine Körperschaft. Mitglieder (Aktionäre) können natürliche oder juristische Personen sein. Es gibt keine Maximal- oder Minimalzahl. Aktiengesellschaften mit nur einem Aktionär (Einmanngesellschaften) sind zulässig.

Die Aktiengesellschaft ist eine Kapitalgesellschaft; die Stimmkraft des einzelnen Aktionärs bestimmt sich – grundsätzlich – nach dem von ihm investierten Kapital. Ausnahme: Stimmrechtsaktien (Art. 693 OR). 

In der Aktiengesellschaft werden die Rollen der Gesellschafter (Aktionäre) und der Verwaltung/Geschäftsführung (Verwaltungsrat und Direktoren/Organe) klar aufgeteilt.

Die Aktiengesellschaft haftet gegenüber Dritten mit ihrem ganzen Vermögen nicht nur mit dem Aktienkapital. Das Aktienkapital ist der Betrag, den die Gründer für die Gründung aufbringen müssen; er ist besonders geschützt.

Die Gesellschafter und Verwaltungsräte haften grundsätzlich nicht für Gesellschaftsschulden (Ausnahme: Verantwortlichkeit); das macht die Aktiengesellschaft für Gesellschafter attraktiv. Bei kleinen Gesellschaften kann dies allerdings zur Notwendigkeit führen, Gläubigern zusätzliche Sicherheiten zu bestellen (z.B. Pfandrechte oder Bürgschaften).

Das Aktienrecht ist äusserst flexibel: Die Aktiengesellschaft steht offen für Gesellschaften mit nur einem Aktionär, der zugleich einziger VR ist (Einmann-AG), bis zur grossen Publikumsgesellschaft mit vielen Tausend Aktionären.

Folgender Ablauf soll die Entwicklung der letzten Jahre darstellen:

Entwurf 2007 – Minder-Initiative – VegüV – Vorentwurf – Entwurf

Der Entwurf enthält folgende Neuerungen:

  • Einführung einer Frauenquote in wirtschaftlich bedeutenden oder börsenkotierten Unternehmen;
  • Umsetzung der Minder-Initiative im Gesetz;
  • Einführung des Kapitalbands;
  • Offenlegungspflichten für Unternehmen in der Rohstoffförderung.

Dokumentation: